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SV 63 Brandenburg-West - Abteilung Ju-Jutsu
Die Geschichte des Ju-Jutsu "Am Anfang war das Jiu-Jitsu"

In der Geschichte des Jiu-Jitsu findet man zu Anfang folgende Sage:
Ein Japaner beobachtete einmal, wie sich eine Weide im Sturm bog und danach wieder in ihre alte Lage zurückkehrte, während ein spröder Ast eines anderen Baumes brach. Durch diese Bobachtung soll er zu der Erkenntnis gelangt sein, dass der Mensch bei einem tätlichen Angriff ebenso handeln müsse. So soll die Idee einer Verteidigungswehr ohne Waffen entstanden sein: das Jiu-Jitsu.

Geschichtlich nachweisbarer ist, dass Jiu-Jitsu ("Die sanfte Kunst", oder "Die Wissenschaft von der Nachgiebigkeit") einen chinesischen Ursprung besitzt. Die chinesisch überlieferte Geschichte lautet folgendermaßen:

Vor langer Zeit lebte in Tokio ein Chinese mit Namen Tshin Gembin. Dieser erzählte drei japanischen Samurai-Kriegern, die zum Gefolge der Daymios-Kaste, dem höhereren japanischen Adel dieser Zeit, angehörten, dass man in China ein System kenne, mit dem man sich auch im Ernstfall ohne jede Waffe verteidigen könne. Diese drei Krieger übten nun in aller Verschwiegenheit mit ihrer Ritterkaste das Sebstverteidungssystem, das unter dem Namen Jiu-Jitsu bekannt wurde.

Die Pflege des Jiu-Jitsu wurde noch gefördert, als der Ritterkaste infolge eines Vergehens das Waffentragen verboten wurde. Dies spornte die Daymios an, die waffenlose Selbstverteidigung weiterzuentwickeln. Mit der Zeit erfasste das Jiu-Jitsu immer weitere Kreise Japans, so dass man schon im 17.Jahrhundert bereits besondere Lehrschulen hierfür besaß.

Im ersten Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts wurde das Jiu-Jitsu ebenfalls bei der englischen und französischen Polizei und etwas später auch bei der italienischen Gebirgspolizei eingesetzt. Auch Deutschland hat einige mehr oder weniger bedeutende Vorkämpfer vorzuweisen. Einer der Pioniere, die das Jiu-Jitsu in Deutschland bekannt machte, ist Erich Rahn, der 1906 eine Sportschule für Jiu-Jitsu in Berlin gründete.


Vom Jiu-Jitsu zum Ju-Jutsu

Das Europäische Jiu-Jitsu war als nicht mehr zeitgemäß anzusehen. Somit war es dringend erforderlich, etwas Neues zu schaffen. Richtungsweisend hierfür bot sich die "Goshin-Jitsu-No-Kata" das Kodokan an. Hochgraduierte Dan-Träger wurden damit beauftragt, die Voraussetzungen für eine effektive, moderne Selbstverteidigung zu erarbeiten. Das ist unter Federführung von Franz-Josef Gresch und Werner Heim gelungen, so daß im Jahre 1969 das Ju-Jutsu offiziell eingeführt wurde.

Das neue System geht nicht vom Angriff aus, sondern primär von den Selbstverteidigungstechniken, die aus Grundformen des Judo, Karate und Aikido ausgesucht wurden. Die Techniken sind in den einzelnen Prüfungsprogrammen für Schüler- und Meistergrade nach Schwierigkeitsstufen geordnet. Jede Verteidigungstechnik ist gegen mehrere Angriffsarten anwendbar und beständig zu üben mit dem Ziel, die Bewegungsabläufe zu automatischen Reflexen (sog. Automatismen) im Unterbewußtsein zu entwickeln. In Kombinationen sind die Techniken alsdann sinnvoll zu verbinden und in der "freien" Verteidigung gegen "freie" Angriffe zur echten Kunst der Selbstverteidigung zu perfektionieren. Bei dieser Methode wird bereits mit einer kleinen Auswahl von Verteidigungstechniken von Anfang an ein größtmöglicher Nutzeffekt durch variable Anwendung erzielt. Durch diese Vielseitige Anwendbarkeit gegen alle Arten von Angriffen ergeben sich weit mehr als 1000 Verteidigungsmöglichkeiten.

Das Ju-Jutsu beinhaltet mehr, als der Name allein zu erkennen gibt. "Ju" bedeutet nachgeben oder ausweichen, "Jutsu" Kunst oder Kunstgriff. Ju-Jutsu ist also die Kunst, durch Nachgeben bzw. Ausweichen mit der Kraft des Angreifers zu siegen. Falls erforderlich, kann ein Angriff jedoch auch in direkter Form mit Atemi-Techniken abgewehrt werden. Dieses "ökonomische Prinzip", nämlich "mit geringstem Aufwand eine größtmöglichen Nutzen zu erzielen", gilt als der übergeordnete Begriff, unter den sich die Bewegungsprinzipien der Budo-Disziplinen subsumieren. Die Techniken wurden aus den bekannten Budo-Disziplinen Judo, Karate und Aikido ausgewählt. Alle können in harter oder weicher Form nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit angewendet werden.

Quellen: Ju-Jutsu 1x1, Fachbuch des Deutschen Ju-Jutsu Verbandes und einer historischen Veröffentlichung aus dem Jahre 1940